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Selbstverständnis des Mülheimer Verbandes freikirchlich-evangelischer Gemeinden Inhaltsverzeichnis Vorwort Der MV- Eine evangelische Freikirche in Deutschland A. Das Gemeindeverständnis 1. Eine evangelische Freikirche 2. Zur Organisationsform 3. Zum Tauf- und Abendmahlsverständnis 4. Zur Mitgliederpraxis B. Werte und Ziele 1. Gelebter Glaube 2. Biblische Theologie 3. Glaubwürdige Evangelisation und Mission 4. Christliche Gemeinschaft 5. Ganzheitliche Diakonie 6. Die Zusammenarbeit mit dem Leib Christi 7. Verantwortung für die Gesellschaft C. Theologische Positionen 1. Zur Lehre von Jesus Christus 2. Zur Lehre von der Erlösung 3. Zur Lehre vom Heiligen Geist 4. Zur Lehre von den Letzten Dingen D. Die Arbeitsstrukturen des MV E. Zwischenkirchliche Kontakte 1. Zwischenkirchliche Kontakte 2. „Gelebte Bruderschaft" F. Zur Geschichte des MV G. Anhang Vorwort Warum brauchen wir als Verband die Formulierung eines Selbstverständnisses? Wir sehen zwei Gründe: 1. Profil nach außen Wer heute in unserem Land nach dem fragt, was Gemeinde / Kirche Jesu Christi ausmacht, der bekommt, je nachdem in welcher Gemeinde er nachfragt, sehr unterschiedliche Antworten. Die Unterschiede betreffen Lehre und Praxis der Gemeinden. Nicht nur, daß es in unserem Land die Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Kirche gibt, darüber hinaus finden wir viele unterschiedliche Freikirchen vor, ganz zu schweigen von den verschiedenen neuen, unabhängigen Gemeinden und den Gemeinden anderer Nationalitäten. Diese Unterschiede machen es notwendig, für den Außenstehenden zu beschreiben, was den MV in Lehre und Praxis ausmacht. Diese Beschreibung unseres Selbstverständnisses versteht sich dabei nicht als Abgrenzung zu anderen Kirchen und Gemeinden, sondern als ein Positionspapier, das die eigenen Konturen deutlich machen soll. Wir wissen dabei, daß es andere Lehr- und Praxisakzente geben kann, die von Christus als dem Herrn der Kirche gesegnet werden und bekennen darum, daß unser Erkennen nur "Stückwerk" ist (1.Korinther 13,12). 2. Orientierung nach innen Gemeinde Jesu zu allen Zeiten lebt unter dem Auftrag Jesu: "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker". Die 2000jährige Geschichte der Kirche Jesu zeigt nun, daß Gemeinde Jesu immer in der Gefahr steht, diesen Auftrag aus den Augen zu verlieren und zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Darüber hinaus steht sie, angesichts der vielfältigen Möglichkeiten vor Ort zu arbeiten, in der Gefahr, alles und damit nichts zu tun. Darum ist es notwendig, sich den eigenen, spezifischen Auftrag bewußt zu machen und über die Mittel und Strategien, diesen Auftrag zu erfüllen, nachzudenken. Dieses hier formulierte Leitbild soll darum allen Gemeinden des MV Orientierung geben. Die Verbandsleitung Der MV - eine evangelische Freikirche in Deutschland
Der Mülheimer Verband ist eine evangelische Freikirche in Deutschland auf der Grundlage einer evangelikal-charismatischen Frömmigkeit bzw. Theologie. Er bietet selbständigen Ortsgemeinden eine geistliche Lebens- und Dienstgemeinschaft an mit dem Ziel, diese Gemeinden darin zu unterstützen, Gott durch ein kontinuierliches Wachstum in den biblisch vorgegebenen Werten und Zielen für die Gemeinde Jesu zu verherrlichen. Die Gemeinden des MV erstreben einen durch Wort und Geist gelebten Glauben, eine biblische Theologie, eine glaubwürdige Evangelisation, verbindliche christliche Gemeinschaft, eine ganzheitliche Diakonie, eine zielorientierte Gemeindestrategie. Darüber hinaus suchen sie einen Beitrag zu leisten zur Evangelisierung Deutschlands- auch durch neu zu gründende Gemeinden, zur Einheit der Kirche Jesu Christi in unserem Land- durch eine Zusammenarbeit, die vor Ort durch gegenseitige Achtung und Liebe bestimmt wird, zur Weltmission- vermehrt auch durch Entsendung von Mitarbeitern. Die Gemeinden des MV sind davon überzeugt, daß das Erreichen dieser Ziele nur möglich ist durch ein Wachsen in der Erkenntnis Gottes des Vaters, der Liebe Jesu Christi und der Kraft des Heiligen Geistes. A. Das Gemeindeverständnis
1. Eine evangelische Freikirche Die Gemeinde Jesu Christi ist begründet in der Menschwerdung, dem stellvertretenden Sterben und Auferstehen Jesu Christi und der Sendung des Heiligen Geistes, und sie wartet seit der Himmelfahrt Jesu auf ihre Vollendung in seiner Wiederkunft. Gemeinde Jesu lebt da, wo der Heilige Geist Menschen durch das Wort Gottes zur Nachfolge Jesu ruft und mit anderen Christen zur Gemeinschaft der Glaubenden zusammenfügt. Maßstab für das Denken und Leben dieser Gemeinschaft ist die Bibel. Durch Taufe und Abendmahl wird das Heilsangebot Jesu ganzheitlich erfahrbar gemacht. Im gemeinsamen Gebet ehrt die Gemeinde Gott und erbittet sein Eingreifen. Alle Gemeindeglieder verstehen sich als „Glieder" am „Leib Jesu" und damit als Mitarbeiter, die ihre Gaben zum Aufbau des Reiches Gottes einbringen. Die Leitung der Gemeinde wird durch einen berufenen Gemeindeleitungskreis (Ältestenkreis) ausgeübt. Der ordinierte Pastor bzw. der Gemeindeleiter übt seinen Dienst in diesem Leitungskreis als „primus inter pares" (der Erste unter Gleichen) aus. Ziel der Gemeinde ist die Mitarbeit am Bau des Reiches Gottes zur Verherrlichung Gottes. Der MV versteht sich als Teil der weltweiten Gemeinde Jesu und ordnet sich hier als evangelikal-charismatische Freikirche den protestantischen Kirchen zu. 2. Zur Organisationsform Die meisten Gemeinden oder aber auch einzelne Bezirke mit mehreren Gemeinden des MV sind ihrem Rechtsstatus nach eingetragene Vereine. Damit sind sie innerhalb des Verbandes in ihren Ordnungen, Einrichtungen und Beschlüssen selbständig.1 Die Ortsgemeinde bleibt maßgebend Trägerin des geistlichen Lebens. Die Finanzierung der Gehälter und des gemeindlichen Lebens geschieht über die freiwilligen Abgaben der Gemeindeglieder. 3. Zum Tauf- und Abendmahlsverständnis a. die Gläubigentaufe In den Gemeinden des MV werden nur die Menschen getauft, die sich im Glauben zu dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus als Retter und Herrn bekennen. Die Taufe ist in Tod und Auferstehung Jesu begründet; durch sie wird das Mitgestorben- und Mitauferstandensein des Glaubenden mit Christus verdeutlicht. Da nach geltendem Recht Menschen erst ab 14 Jahren religionsmündig sind, empfehlen wir, erst ab diesem Alter zu taufen. Die Taufe wird in der Regel im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes durch Untertauchen vollzogen. Die Taufe ist unwiederholbar.2 vgl. Matthäus 28, 18-20; Markus 16,16; Apostelgeschichte 2,38; 8,38; Römer 6,3ff; 1.Korinther 12,12 u.a. b. das Abendmahl Der MV versteht das Abendmahl als Gedächtnis-, Gemeinschafts-, Bekenntnis- und Hoffnungsmahl. Wir glauben, daß Christus als der Herr der Gemeinde die Gläubigen durch das Wirken des Heiligen Geistes in der Feier des Mahles segnet. Zum Abendmahl sind alle Gottesdienstbesucher eingeladen, die Jesus Christus als ihren Herrn anerkennen und bereit sind, ihr Leben nach den biblischen Grundsätzen auszurichten. vgl. Matthäus 26,26ff; Lukas 22,19ff; 1.Korinther 10,16ff; 11,23ff u.a. 4. Zur Mitgliederpraxis a. Voraussetzung zur Gemeindemitgliedschaft in den Gemeinden des MV ist: - ein persönliches Vertrauensverhältnis zu Jesus Christus als dem Retter und Herrn (Wiedergeburt, vgl. Johannes 3,3).
- die Taufe
- die Bereitschaft, ein an der Bibel orientiertes Leben zu führen
b. Gemeindeglied wird man nur auf persönlichen Wunsch hin, freiwillig. Manche Gemeinden bieten zur Mitgliederaufnahme ein spezielles Aufnahmeseminar an, das die Theologie und Praxis der Gemeinde und des MV vorstellt.3 c. Kennzeichen der Gemeindemitgliedschaft Das Gemeindeglied - nimmt Anteil am Leben der Gemeinde- zur persönlichen Förderung und beteiligt sich am Leben der Gemeinde- zur Förderung der Gemeinde,
- ist bereit, die Gemeinde finanziell zu unterstützen,
- bemüht sich, seiner Verantwortung in allen Lebensbereichen gerecht zu werden,
- achtet die anderen Kirchen und Gemeinden,
- teilt die Verantwortung der Gemeinde für die Gesellschaft.
B. Werte und Ziele
1. Gelebter Glaube Der MV ist davon überzeugt, daß der christliche Glaube gekennzeichnet ist durch: - Überzeugungen - wir anerkennen die Wahrheit der Heiligen Schrift.
- Vertrauen - wir erleben Gemeinschaft mit Gott auf der Basis von Vertrauen und Liebe.
- Gehorsam - wir fragen nach dem Willen Gottes für unser Leben.
Der MV verfolgt das Ziel, Menschen nach ihrem Christwerden zu begleiten und ihr Glaubenswachstum zu fördern. Wir legen dabei besonders Wert auf: - das Wachstum „in der Erkenntnis Gottes" im Studium des Wortes Gottes,
- die Reifung der Persönlichkeit durch das verändernde Wirken des Heiligen Geistes,
- eine wachsende Bevollmächtigung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Damit kommen wir dem Auftrag Jesu nach, Menschen zu Jüngern zu machen. Ein Jünger ist ein Mensch, der sich bewußt mit seinem gesamten Leben der Herrschaft Jesu Christi unterordnet und dem Auftrag Jesu nachkommt, die "Gute Nachricht" den Nichtchristen weiterzusagen. vgl. Matthäus 28, 19; 2. Timotheus 2, 1-2 2. Biblische Theologie a. Die Bibel ist als das Wort Gottes die verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben. Mit den Unterzeichnern der Lausanner Erklärung4 bekräftigen wir „die göttliche Inspiration, die gewißmachende Wahrheit und Autorität der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer Gesamtheit als das einzige geschriebene Wort Gottes. Es ist ohne Irrtum in allem, was es verkündigt, und es ist der einzige unfehlbare Maßstab des Glaubens und Lebens. Wir bekennen zugleich die Macht des Wortes Gottes, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Die Botschaft der Bibel ist an die ganze Menschheit gerichtet, denn Gottes Offenbarung in Christus und in der Heiligen Schrift ist unwandelbar. Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung. Er erleuchtet den Geist Seines Volkes in allen Kulturen. So erkennen sie Seine Wahrheit immer neu mit ihren eigenen Augen. Der Heilige Geist enthüllt der ganzen Gemeinde mehr und mehr die vielfältige Weisheit Gottes." Unsere eigene theologische Arbeit erwächst aus der Freude an diesem geoffenbarten Wort Gottes und möchte der Verantwortung gegenüber Gemeinde und Gesellschaft gerecht werden. In Auslegung und Verkündigung des Wortes Gottes bemühen wir uns dabei, den ganzen Inhalt der Heiligen Schrift darzulegen. Die theologische Auseinandersetzung mit Christen anderer Konfessionen ist für uns darum eine Verpflichtung, weil auch unser Denken nur „Stückwerk" ist. b. Der MV steht zu den theologischen Grundüberzeugungen, die in den drei großen Bekenntnissen der Christenheit (Apostolicum, Nicaeno-Constantinopolitanum, Athanasianum ) und in der Erklärung der Evangelischen Allianz von 1970 formuliert sind.5 c. In der Entfaltung seiner Theologie orientiert sich der MV an den reformatorischen Grundeinsichten: allein die Schrift, allein die Gnade, allein der Glaube, Christus allein. vgl. Psalm 19, 8-9; 2. Timotheus 3, 14-17 3. Glaubwürdige Evangelisation und Mission Der MV sieht den zentralen Auftrag der Gemeinde darin, das Evangelium, die "Gute Nachricht", allen Menschen mitzuteilen. Er geht davon aus, daß Jesus Christus - der einzige Weg zu Gott ist,
- die einzige Wahrheit ist, die Menschen frei macht,
- als einziger ein sinnerfülltes Leben zu geben vermag.
Diesem Anspruch Jesu weiß sich der MV verpflichtet. Wir respektieren dabei die Persönlichkeit des einzelnen. Ihn gilt es mit Liebe anzunehmen, mit der Wahrheit der Heiligen Schrift bekanntzumachen und der Überzeugungsarbeit des Heiligen Geistes anzuvertrauen. Der MV möchte darüber hinaus einen Beitrag zur Weltmission leisten. Dies geschieht durch geistliche und finanzielle Unterstützung der Partnerkirchen des MV sowie befreundeter Missionen und durch die Aussendung von Mitarbeitern aus den eigenen Reihen. vgl. Markus 16,15-18; Matthäus 28,18ff 4. Christliche Gemeinschaft Wir verfolgen das Ziel, die im Neuen Testament vorgestellte Gemeinschaft (griechisch: "koinonia", also die Gemeinschaft mit Gott und dann mit den Menschen, 1. Johannes 1,3) zu verwirklichen. Demgemäß legen wir in unseren Gemeinden im Blick auf das Zusammenleben Wert auf: a. Überschaubare, lebensnahe Gemeindeangebote Der Gottesdienst ist das „Herzstück" des gemeindlichen Lebens und hat das Ziel, die Gemeinde zu sammeln, sie aufzubauen (Gott dient der Gemeinde) und in die Anbetung Gottes zu führen (die Gemeinde dient Gott). Er soll in allen seinen Elementen einladend, persönlich, ehrlich und kreativ sein. Um in unseren Gemeinden ein notwendiges Maß an Vertrautheit und menschlicher Nähe zu garantieren, laden wir zur regelmäßigen Teilnahme an Hauskreisen/Kleingruppen ein. Spezielle Lehr- und Zielgruppenveranstaltungen (z.B. für Jugendliche) runden das Programmangebot ab. Gemeindliche Kleingruppen bieten den liebevollen und persönlichen Rahmen für gegenseitige Korrektur und Ermutigung. b. Eine gabenorientierte Mitarbeiterschaft Wir anerkennen in jedem Christen die besonderen Begabungen und Beauftragungen. Gemeinde als Leib Jesu lebt von diesen unterschiedlichen Begabungen der einzelnen Glieder. Uns ist es darum ein Anliegen, das Potential in allen Gemeindegliedern zu erkennen und zum Nutzen aller zu fördern. Die verschiedenen Arbeitskreise in den Gemeinden stellen ein gutes Praxisfeld dar, in denen der einzelne Mitarbeiter Schulung, Gemeinschaft, Ermutigung und Korrektur erfährt. vgl. Römer 12, 1ff; 1. Korinther 12, 1ff c. Eine zielorientierte Leiterschaft Gemeinde Jesu kann dort wachsen, wo Menschen bereit sind, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen und wo diese Verantwortung in Liebe wahrgenommen wird. Von der Leiterschaft in unseren Gemeinden erwarten wir ein hohes Maß an Bereitschaft, - nach den von Gott im voraus bereiteten Werken zu fragen und von daher Ziele für die eigene Arbeit zu formulieren,
- geduldig und vertrauensvoll an den gesetzten Zielen festzuhalten,
- den geistlichen Kampf gegen Widerstände zu kämpfen.
Darüber hinaus ist für jeden Leiter persönliche Glaubwürdigkeit und Loyalität der Gemeinde und ihrer Leiterschaft gegenüber selbstverständlich. vgl. Epheser 2,10; Philipper 3,10ff d. Ehe, Familie und Alleinstehende Ehe und Familie sind die kleinste Zelle des Miteinanders und brauchen die besondere Unterstützung der Gemeinde. Kinder sind eine besondere Gabe Gottes, die wir in der Gemeinde dankbar annehmen und in Verantwortung vor Gott fördern wollen. Die Gemeinden bemühen sich um entsprechende altersspezifische Programmangebote. Die neugeborenen Kinder können auf Wunsch der Eltern in einem Gottesdienst der Gemeinde unter den Schutz und Segen Gottes gestellt werden. Des weiteren sehen die Gemeinden ein wichtiges Anliegen darin, Alleinstehende zu fördern und in das Gemeinde- und Familienleben miteinzubeziehen. vgl. Epheser 5,21ff; 1. Korinther 7,1ff; Markus 10, 13ff e. Internationalität Wir freuen uns über Menschen aus unterschiedlichen Nationen in unseren Gemeinden als Ausdruck der großen Familie Gottes. vgl. Römer 15,7; Galater 3,28 5. Ganzheitliche Diakonie Der MV ist sich des vielfältigen Schadens bewußt, den die Sünde und das erfahrene Leid in Menschen hinterlassen kann. Uns ist es darum ein Anliegen, den Gliedern der Gemeinden seelsorgerliche und soziale Hilfe zukommen zu lassen. Damit folgen wir dem Vorbild und Auftrag Jesu. Dabei gilt es, mit Gottes Hilfe sowohl die schuldbehaftete Vergangenheit aufzuarbeiten als auch den sozialen Nöten mit praktischer Unterstützung zu begegnen. Die diakonische Verantwortung unserer Gemeinden wird darum z.B. konkret in Sozialberatung, Hausbesuchen, Seniorenbetreuung. vgl. Sprüche 14,31; Matthäus 11,5; Galater 2,10 6. die Zusammenarbeit mit dem Leib Christi Dankbar anerkennen die Gemeinden des MV Gottes Wirken in 2000 Jahren Kirchengeschichte und seiner weltweiten Kirche heute. Sie achten besonders das geistliche Erbe der Reformation, des frühen Pietismus sowie der Heiligungs- und Pfingstbewegung und suchen dieses Erbe mit den Ausprägungen neuerer evangelikal-charismatischer Frömmigkeit zu verbinden. Sie erstreben die Zusammenarbeit mit allen Kirchen, in denen Jesus Christus als Herr der Kirche ernstgenommen wird. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei die Überwindung des Konfliktes zwischen sogenannten "evangelikalen" und "charismatischen" Gemeinden. Der MV fühlt sich damit dem Auftrag Jesu verpflichtet, in dieser zerrissenen Welt die Einheit des Leibes Jesu Christi zur Verherrlichung Gottes darzustellen. vgl. Johannes 17, 20ff 7. Verantwortung für die Gesellschaft Die Gemeinden des MV nehmen bewußt die Aufgaben und Probleme der Kommune wahr und versuchen hier einen konstruktiven Beitrag zu leisten durch Gebet für die geistlichen und gesellschaftlichen Anliegen und durch soziale Aktionen im Rahmen der gemeindlichen und übergemeindlichen Möglichkeiten z.B. für besondere Randgruppen. Wir sind davon überzeugt, daß der wichtigste Beitrag der Gemeinde Jesu für die Gesellschaft mit Gottes Liebe erfüllte Menschen sind. vgl. Jeremia 29,7ff; 1. Timotheus 2,1ff C. Theologische Positionen
Auf dem Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung des MV heben wir für das zwischenkirchliche Gespräch einige besonders relevante theologische Positionen hervor: 1. Zur Lehre von Jesus Christus Wir bekräftigen die Einzigartigkeit und Universalität Jesu Christi! Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, von Ewigkeit her bei Gott und Schöpfungsmittler ist das eine Wort Gottes und offenbarte der Menschheit durch seine Person, durch sein Reden und Tun das Wesen Gottes des Vaters und seinen vollkommenen Willen. Er starb am Kreuz von Golgatha stellvertretend für den Sünder und ist- von Gott durch die Auferstehung bestätigt- der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. So gibt es nur einen Erlöser, ein Evangelium, einen Namen, durch den die Menschen gerettet werden. Alle Menschen sind eingeladen, ihn in persönlicher Hingabe durch Buße und Glauben als Heiland und Herrn anzuerkennen. Wer Ihn ablehnt, bleibt ewig von Gott getrennt. Mit seiner Himmelfahrt ist Christus zu Gott, dem Vater, zurückgekehrt. Er hat alle Macht im Himmel und auf Erden und wird eines Tages in Macht und Herrlichkeit als Herr und Richter wiederkommen. Mit dem Neuen Testament bekennen wir, daß alle Menschen aus der allgemeinen Offenbarung in der Natur Gott erkennen können, aber wir bestreiten, daß sie dies erretten kann. Wir lehnen jegliche Auffassung ab, die vorgibt, daß Jesus Christus gleichermaßen durch alle Religionen und Ideologien spricht. vgl. Philipper 2, 5-11; Kolosser 1, 15-23 2. Zur Lehre von der Erlösung Jeder Entscheidung für Jesus Christus geht die Erwählung und Berufung des Menschen durch Gott selbst vor Grundlegung der Welt voraus. Er bewirkt durch seinen Heiligen Geist in der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes die Betroffenheit über die eigene Verlorenheit, öffnet die Augen für die Erlösung in Christus und bewirkt den das Heil ergreifenden Glauben der Wiedergeburt. Der Mensch empfängt den Heiligen Geist. Die Rechtfertigung des Sünders ist das Gnadengeschenk Gottes aufgrund des Kreuzestodes Jesu und wird im Glauben angeeignet. Um Jesu willen vergibt Gott die Sünde und stellt in einem souveränen, gnädigen Heilshandeln das durch die menschliche Schuld zerbrochene Rechtsverhältnis zwischen sich und dem Menschen wieder her. Über die Erneuerung des Verhältnisses des Menschen zu Gott in der Rechtfertigung hinaus wird der Gläubige durch die Erlösung Jesu von der versklavenden Macht der Sünde und gottfeindlicher Mächte befreit und durch die Versöhnung mit Gott zu einer Gottesbeziehung auf der Grundlage von Vertrauen und Liebe eingeladen. Er darf sich nun als geheiligt in Jesus Christus verstehen. vgl. Römer 8,28; Epheser 1,4f; Apostelgeschichte 2,37; Römer 3-5; 6-8; 2. Korinther 5,14ff; 1. Korinther 6,11 3. Zur Lehre vom Heiligen Geist a. Grundlegende Erfahrungen mit dem Heiligen Geist Der Heilige Geist ermöglicht den Glauben, das Christsein. Jeder Christ hat bei seiner Wiedergeburt den Heiligen Geist empfangen und ist damit geistgetauft. Sein weiteres geistliches Wachstum wird nun davon abhängen, inwieweit er sich nun auch dem vertiefenden Wirken des Heiligen Geistes öffnet: So will der Heilige Geist - zur Anbetung Gottes befähigen,
- das Wesen Jesu im Gläubigen zur Entfaltung bringen,
- zum Dienst in Gemeinde und Welt bevollmächtigen.
Um dieses vertiefende Wirken des Heiligen Geistes zu erfahren, bitten die Gläubigen Gott um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Dieses Gebet ist dabei nicht eine einmalige Angelegenheit, sondern wird immer wieder neu notwendig, besonders dann, wenn der Gläubige durch Ungehorsam den Heiligen Geist betrübt hat oder in besonderen Dienstherausforderungen steht. Eine solche Erfüllung mit dem Heiligen Geist wird im Glauben ergriffen; sie kann sich u. U. erlebnismäßig dokumentieren, z.B. durch das Beschenktwerden mit bestimmten geistlichen Gaben wie die Sprachenrede oder die Prophetie. vgl. Galater 5,22; Römer 8,5ff; Epheser 5,18;Epheser 4,30; Apostelgeschichte 4,23ff b. Zur Heiligung Die Heiligung des Sünders ist die Umgestaltung des Christen in das Bild Jesu Christi als Gabe Gottes und Aufgabe des Menschen. Die Heiligung ist dabei in der Aneignung der Wahrheiten des Wortes Gottes ein Wachstumsprozess und berührt sowohl das Denken, Reden und Tun eines Menschen, wie auch seinen Lebensstil und Charakter. Sie wird konkret im alltäglichen Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, in der Christusähnlichkeit des Charakters und in der Ermächtigung zum Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Heiligung geschieht dabei - aufgrund des Mit-Jesus-gekreuzigt-Seins, die Sünde hat ihre versklavende Macht verloren.
- durch die Initiative des Heiligen Geistes, der den Gläubigen von Sünde überführt, die Sehnsucht nach Veränderung bewirkt und schließlich die praktische Umgestaltung ermöglicht.
Letztlich prägt der Heilige Geist im Gläubigen das Wesen Jesu aus. Die konkrete Lebensveränderung ist dabei u.U. verbunden mit der Aufarbeitung seelischer Verletzungen oder der Befreiung von dämonischen Bindungen. Die Heiligung hat nicht allein individuellen Charakter; sie bewährt sich vor allem auch im Kontext der Gemeinde als der „Gemeinschaft der Heiligen". Der geistliche Zustand der jeweiligen Gemeinde hat umgekehrt einen nicht unerheblichen Einfluß auf den Heiligungsprozess des Gläubigen. Den Zustand der vollkommenen Sündlosigkeit erwarten wir für das ewige Leben. vgl. Galater 5,22 c. Zu den Gaben des Heiligen Geistes Der MV anerkennt dankbar die vielfältigen Gaben Gottes in seinen Menschen, seien es die "praktischen" Gaben oder die "transrationalen" Gaben der neutestamentlichen Gabenlisten nach Römer 12 und 1. Korinther 12. Alle diese Gaben sind bis heute der Gemeinde Jesu zugesagt und werden in den Gemeinden des MV zum Aufbau der Gemeinde und zur Verherrlichung Jesu gefördert. Wie Paulus empfehlen wir den Gläubigen, die bereits empfangenen Gaben treu zum Aufbau der Gemeinde einzubringen und darüber hinaus nach weiteren Gnadengaben zu streben. Jeder Dienst in der Gemeinde stellt sich dabei der Korrektur des Wortes Gottes und ordnet sich der Gemeindeleitung unter. vgl. auch Epheser 4,11ff; 1.Petrus 4,10ff; 1. Korinther 12, 31; 14,1 Im Blick auf folgende in der Handhabung häufig umstrittene Gnadengaben leben wir im MV nach folgender Ordnung: Zur Gabe der Prophetie Für die Gemeinden des MV ist das prophetische Wort eine Botschaft Gottes, die einem Menschen unmittelbar vom Heiligen Geist eingegeben wird. Diese Botschaft kann sich an den Betreffenden selbst richten oder an andere. Inhaltlich kann sie Gottes Sicht über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Menschen oder Institutionen zum Ausdruck bringen. Wir erwarten die Gabe der prophetischen Rede in Predigt, seelsorgerlichem Gespräch und in Kleingruppen als hilfreiches Wort zur rechten Zeit. Für die Praxis in den Gemeinden gilt: - der prophetisch Redende ordnet sich der Gemeindeleitung unter,
- jede prophetische Rede wird am Wort Gottes geprüft.
vgl. Römer 12, 3ff; 1. Korinther 14 Zur Gabe der Krankenheilung Wir bekennen mit der Heiligen Schrift, daß Gott auch der „Arzt" für sein Volk sein will. So ermutigen wir alle Gläubigen, im Krankheitsfall nicht nur die Hilfe der Medizin, sondern auch die Heilung durch Gebet zu suchen. Neben den Gemeindeältesten beteiligen sich vor allem auch Menschen mit der Gabe der Krankenheilung an diesem Dienst. Wir erbitten von Gott für unsere Gemeinden größere Vollmacht durch eine tiefere Liebes- und Vertrauensbeziehung zu Gott. Das Gebet für körperliche oder seelische Heilung soll Teil eines ganzheitlichen seelsorgerlichen Bemühens um den Kranken sein und z.B. die Beichte oder das Gebet um Befreiung von dämonischen Bindungen integrieren. vgl. 2. Mose 15,26; Jakobus 5, 14; 1. Korinther 12, 9; 11,30 Zur Gabe der Sprachenrede Die Gabe der Sprachenrede ist die gottgeschenkte Fähigkeit, Gott in einer nicht erlernten Sprache anzubeten. Wir schätzen diese Gabe als Hilfe zu einem intensiveren Gebetsleben des Gläubigen und damit zu seiner persönlichen Auferbauung. Sie ermöglicht eine vertiefte Anbetung und sensibilisiert für das Wirken des Geistes. Wir ermutigen alle Gläubigen, Gott um diese Gabe seines Geistes zu bitten. Dabei gehen wir davon aus, daß auch die Gabe der Sprachenrede ganz in der Verfügung des Heiligen Geistes steht, "der jedem zuteilt, wie er will!" Für die Art und Weise des Empfanges der Gabe gibt es kein Schema. Für die Gemeinden des MV ist der Empfang der Gabe der Sprachenrede kein Erweis einer besonderen geistlichen Reife oder Bevollmächtigung. Wir empfehlen, diese Gabe in der persönlichen Gebetszeit treu zu pflegen und im öffentlichen Gottesdienst nur mit Auslegung zu praktizieren. vgl. 1. Korinther 14 4. Zur Lehre von den letzten Dingen Mit der Heiligen Schrift bekennen wir, daß Jesus Christus am Ende der Tage für alle Menschen wahrnehmbar in Macht und Herrlichkeit als Sieger über die Mächte des Bösen sowie als endzeitlicher Richter wiederkommen wird. Wir blicken damit erwartungsvoll auf den Tag, an dem ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden, in denen statt Tod, Leid und Schmerz Friede, Gerechtigkeit und Heil ewig herrschen werden. Der Herr der Gemeinde wird die Menge der Gerechtfertigten und Geheiligten aller Zeiten verwandeln und um sich sammeln, damit sie Anteil an seiner Herrlichkeit und Macht nehmen. Dann wird Gott sein alles in allem. Wir lehnen den stolzen und selbstsicheren Traum ab, daß die Menschheit jemals ein Paradies auf Erden errichten kann. Das Bemühen um Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung als Auftrag der Gemeinde Jesu in dieser Welt geschieht darum immer im Wissen um diese menschliche Begrenzung. Wir enthalten uns jeglicher Spekulationen über die Datierung der künftigen Ereignisse. Zeit und Stunde kennt Gott allein. vgl. Matthäus 24-25; 1. Korinther 15; Offenbarung D. Die Arbeitsstrukturen des MV Der MV bildet den Dachverband für die ihm angegliederten Ortsgemeinden. Die Ortsgemeinden, Bezirke und Bünde sind rechtlich selbständig, ordnen sich aber freiwillig der geistlichen Leitung des Ältesten- rates bzw. der Delegiertentagung unter. Die Rechtsform der GmbH ist geschichtlich bedingt. | Delegiertentagung Sie ist das oberste Entscheidungsgremium des MV. Sie entscheidet in Fragen von grundsätzlicher Bedeutung, nimmt die Rechenschaftsberichte des Ältestenrates, der Geschäftsführer und der Arbeitsbereiche entgegen und ist die zuständige Instanz für Lehrfragen und Fragen der Gemeindepraxis innerhalb des MV. | Delegiertensystem Die Mitglieder der Delegiertentagung werden durch ein Delegiertensystem ermittelt, das gewährleistet, daß die einzelnen Bünde, Bezirke und Gemeinden ihrer Größe gemäß repräsentiert werden. Die Mitglieder des Ältestenrates, Pastoren und Verbandsbeauftragte sind gesetzt. | | MV-GMBH Die Gesellschafter sind - die jeweiligen Vertreter der regionalen Bünde (Bundesälteste),
- der Präses
- der (die) Geschäftsführer
| Ältestenrat Der Ältestenrat nimmt die Funktionen der Delegiertentagungen zwischen deren Sitzungen wahr. Diesem Organ legt Rechenschaft ab. Er steht den Gemeinden für geistliche und praktische Fragen zur Verfügung und nimmt überörtliche sowie zwischenkirchliche Belange wahr. Schließlich bemüht er sich um eine ausgewogene Besetzung der Dienststellen und entscheidet Disziplinarfragen. |  | | Ältestenrat Die regionalen Bünde des MV entsenden jeweils einen Bundesbeauftragten (Bundesältesten) in den Ältestenrat. Darüber hinaus gehören ihm der Präses sowie der (die) Geschäftsführer an. | | Nordwestbund Die Ortsgemeinden bilden die regionale "Christliche Gemeinschaft Nordwestbund e.V." | Weser-Ems-Bund Die Ortsgemeinden sind jeweils eigenständige eingetragene Vereine. | Bund Berlin Die Ortsgemeinden sind jeweils eigenständige eingetragene Vereine. | Westbund Die Ortsgemeinden sind jeweils eigenständige eingetragene Vereine. | Südwest-Bund Einige Ortsgemeinden sind eigenständige eingetragene Vereine. Andere bilden die "Bezirksvereinigung Karlsruhe e.V.". | Süd-Bund Einige Ortsgemeinden sind jeweils eigenständige eingetragene Vereine. Andere bilden Bezirksvereinigungen. | | | E. Zwischenkirchliche Kontakte
1. Kontakte und Arbeitsgemeinschaften Der MV weiß sich verbunden mit allen Kirchen, deren Mitte das Evangelium von Jesus Christus ist und die ihren Glauben an den Dreieinigen Gott im Apostolischen Glaubensbekenntnis bezeugen. Der MV pflegt gute Kontakte zu anderen christlichen Denominationen. Er ist Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland (VEF). Als Gastmitglied gehört er zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Der MV ist der älteste Teil der deutschen Pfingstbewegung . Über das Forum Freikirchlicher Pfingstgemeinden (FFP) bestehen die übergemeindlichen Verbindungen in Deutschland. Zu der europäischen und weltweiten Pfingstbewegung bestehen freundschaftliche Kontakte. Eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Kirchen, Freikirchen, Gemeinschaften und christlichen Werken geschieht vor Ort u.a. im Rahmen der Evangelischen Allianz. Als evangelikal-charismatische Bewegung sehen wir uns verbunden mit der überkonfessionellen charismatischen Bewegung und pflegen auch hier die gemeindeübergreifenden Kontakte. 2. Gelebte Bruderschaft Über die offiziellen kirchlichen Kontakte hinaus sind wir dankbar für gelebte Bruderschaft. Durch ausgesandte oder unterstützte Missionare existieren enge Verbindungen zu den verschiedensten Missionsgesellschaften in Deutschland und darüber hinaus. So sind die Gemeinden des MV freundschaftlich verbunden mit Brücke der Hoffnung, Campus für Christus, Jugend mit einer Mission (JmeM), Operation Mobilisation (OM), Royal Rangers, Teen Challenge, der Velberter Mission (VM) dem Weltweiten Einsatz für Christus (WEC), und v.a.m.. Wir danken Gott für alle geistlichen Impulse aus seiner Kirche. F. Zur Geschichte des MV Ende des 19. Jahrhunderts erkannten Christen die Verrationalisierung und Verflachung ihres Christseins. Das Verlangen nach einem kraftvollen, geheiligten Glaubensleben brach auf. Gott antwortete auf das Gebet vieler Christen mit neuer Wirksamkeit des Heiligen Geistes, die sich in Erweckung, Lebenserneuerung und Entfaltung geistlicher Gaben manifestierte. Die Pfingstbewegung entstand. Die Geschichte des Mülheimer Verbandes beginnt mit dem geistlichen Aufbruch, den Gott 1905 in Mülheim a.d.Ruhr schenkte. Er wirkte in den Zusammenkünften, die von einer Aktionsgemeinschaft von Laien und Pastoren (Moderson, Girkon, Vetter, Paul, Humburg u. a.) aus Landeskirchen, Freikirchen und Gemeinschaften getragen wurde. Etwa dreihundert Gläubige fanden in der Christlichen Gemeinschaft Mülheim a.d.Ruhr ihre geistliche Heimat. In vielen Gebieten Deutschlands entstanden „erweckte" Kreise. Einige Gemeinden unseres Verbandes wurden im Zeitraum zwischen 1905 und 1908 gegründet. Anfänglich empfand man sich als einen Reformimpuls innerhalb der etablierten Kirchen. Durch die Betonung der Wirksamkeit des Heiligen Geistes nach den Leitlinien des Neuen Testaments kam die Bezeichnung „Pfingstler" sowohl im positiven wie im negativen Sinn auf. Die Vertreter dieser Kreise aus Deutschland und Europa trafen sich 1908 erstmalig auf der Hamburger Dezemberkonferenz. Das Jahr 1909 lenkte die Entwicklung der deutschen Pfingstbewegung in eine entscheidende Richtung. Im Sommer begann die Reihe der Mülheimer Konferenzen, zu denen von Anfang an viele Gläubige kamen. Mißverständnisse, Fehlinterpretationen und Wächtereifer führten bei manchen Gemeindeleitern und Christen zu einer ablehnenden Haltung. In der „Berliner Erklärung" (1909) distanzierten sich etwa sechzig verantwortliche Leiter der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung und der Evangelischen Allianz von der Pfingstbewegung. Sie bezeichneten den dort wirkenden Geist als „von unten". Trotz der Mülheimer Antworterklärung (1909), die sich zwar einerseits zu den Versagensmomenten in den eigenen Reihen bekannte und die eigene Korrekturwilligkeit betonte, andererseits aber von dem Echtheitsgehalt des Geisteswirkens keine Abstriche machen konnte, kam eine tragfähige Annäherung nicht zustande. Damit wurde für die Existenz der abgetrennten Kreise eine gewisse Strukturgrundlage notwendig. 1913 konstituierte sich, da man an eine endgültige Trennung nicht glaubte und deshalb die Körperschaftsrechte nicht anstrebte, der Dachverband „Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim an der Ruhr" als GmbH. In den Jahren vor und besonders nach dem Ersten Weltkrieg entstanden vielerorts neue Gemeinden mit eigenen Gemeindehäusern. Größere Regionen bildeten Bünde. Der „Hauptbrüdertag", der 1911 erstmals als gesamtdeutsche Leiterkonferenz in Berlin zusammengetreten war, entwickelte sich zur leitenden Instanz der Bewegung. Der Zweite Weltkrieg brachte dann den Verlust blühender Arbeiten in den Ostgebieten. 1951 wurde den Gemeinden in der damaligen DDR die Versammlungserlaubnis entzogen. Im Westen ging die Arbeit positiv weiter. Gemeindeglieder aus den Ostgebieten und volksdeutsche Flüchtlinge fanden hier eine geistliche Heimat. Das eigene Freikirchenbewußtsein profilierte sich mehr und mehr, wohl auch deshalb, weil alle Bemühungen, den „Berliner Graben" zu überbrücken, erfolglos blieben. 1970 wurde der MV als Gastmitglied in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland aufgenommen. An vielen Orten intensivierte sich die Zusammenarbeit auf der Ebene der Deutschen Evangelischen Allianz. 1978 konnte der MV in Niedenstein bei Kassel ein eigenes Begegnungszentrum einweihen. Geschäftsstelle und Verlag wurden dorthin verlegt. 1981 brachte einen weiteren Akzent für die wachsenden zwischenkirchlichen Beziehungen: Der MV trat der Vereinigung Evangelischer Freikirchen als Gastmitglied bei; zehn Jahre später wurde er Vollmitglied. Von den evangelischen Freikirchen kam dann auch achtzig Jahre nach Unterzeichnung der Berliner Erklärung der erste Schritt zu ihrer Überwindung, indem sie erklärten, daß für die Kreise unseres Verbandes die darin gemachten Aussagen nicht mehr zutreffen. Mit einigen Pfingstkirchen pflegt der MV innerhalb des Forums Freikirchlicher Pfingstgemeinden (FFP) freundschaftliche Kontakte. Dankbar erleben wir in den letzten Jahren das wachsende Miteinander unter dem Volk Gottes in unserem Land. G. Anhang 1. Das apostolische Glaubensbekenntnis6 "Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige, allgemeine, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben." 2. Die Basis der Evangelischen Allianz von 19707 "Evangelikale Christen bekennen sich zu der in den Schriften des Alten und Neuen Testamentes gegebenen Offenbarung des Dreieinigen Gottes und zu dem im Evangelium niedergelegten geschichtlichen Glauben. Sie heben im folgenden Lehrsätze hervor, die sie als grundlegend für das Verständnis des Glaubens ansehen und die gegenseitige Liebe, praktischen Dienst der Christen und evangelistischen Einsatz bewirken sollen. - Die Allmacht und Gnade Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Erhaltung (der Welt), Offenbarung, Erlösung und dem letzten Gericht.
- Die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift und demzufolge ihre völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.
- Die völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen.
- Das stellvertretende Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als der einzigen und allgenugsamen Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren ewigen Folgen.
- Die Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist.
- Das Werk des Heiligen Geistes in der Erleuchtung, der Wiedergeburt, der Innewohnung und Heiligung.
- Das Priestertum aller Gläubigen, die die weltweite Gemeinde bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet ist.
- Die Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit."
Verabschiedet vom Delegiertentag des Verbandes am 2. Februar 1998 in Mülheim a.d.Ruhr Bestellungen des Dokuments an: Sekretariat des Mülheimer Verbandes Postfach 1109 34303 Niedenstein Telefon: 05624 - 775 (Fax: 776 ) Fußnote - Die Zuordnung der Ortsgemeinde zum regionalen Bund bzw. zum MV wird durch die "Verbandsordnung" geregelt.
- Die Gemeinden des MV respektieren die Gewissensnentscheidung eines Gläubigen, vor Gott und Mensch zur eigenen Kindertaufe zu stehen.
- Wir sind überzeugt, daß nach dem Gemeindeverständnis des Neuen Testamentes Mitgliedschaft am Leib Christi nur in einer Ortsgemeinde gelebt werden kann. Eine Doppelmitgliedschaft ist somit nur in begründeten Ausnahmefällen denkbar (z.B. konfessionsgebundener Arbeitgeber).
- Die Lausanner Erklärung ist das Abschlußdokument des Internationalen Kongresses für Weltevangelisation in Lausanne 1974.
- Siehe Anhang
- Bekenntnisse der Kirche, Theologischer Verlag R. Brockhaus, 1977, S. 19 - Das Nicaeno-Constantinopolitanum sowie das Athanasium sind auch abgedruckt in: C. Krust, Was wir glauben, lehren und bekennen
- Aufbruch der Evangelikalen, F. Laubach, R. Brockhaus Verlag, 1972. S. 101
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